How to do

Snowkiten


Wenn es an der Küste unerträglich kalt ist und viele Binnenseen von einer Eisschicht bedeckt sind, zeiht es nur noch wenige ins Wasser. Wenn es unter fünf Grad oder sogar Frost hat, wird es auch einfach unangenehm. Für viele, denen die Flucht ins Wamre aus kostengründen nicht vergönnt ist, bleibt nur noch der Schnee, während andere eine gute Session im Weißen sowieso allem anderen vorziehen. Uns ist bewusst, dass für viele Snowkiten ein alter Hut ist, doch ist die Zahl der Kitesurfeinsteiger unter unseren Lesern dieses Jahr stark gewachsen, dass wie uns entschlossen haben, einen kleinen Leitfaden zum Snowkiten zu erstellen. Denn der Schritt vom Kitesurfen zum Snowkiten ist nur ein ganz kleiner und ohne Probleme vollziehbar, wenn man ein paar Sachen bedenkt.

Geschichte
Wer denkt, dass Snowkiten dem Kitesurfen entspringt, der irrt. Snowkiten existiert bereits deutlich länger. Schon vor Jahren nahm man für Arktisexpeditionen Kites mit auf die Reise, um Kräfte zu sparen. Dann waren es Buggy- und andere Powerkiter, die mit ihren Matten und Ski „Kitesailing“ betrieben. Mittlerweile ist Kitesurfen die deutlich größere Sportart, die das Snowkiten mehr beeinfl usst, als es umgekehrt der Fall ist. Doch entdecken mehr und mehr den Reiz des Schnees.

Lernfortschritt
Snowkiten ist die ideale Ergänzung zum Kitesurfen. Und obendrein noch um einiges einfacher. Wer also im Sommer auf dem Wasser seine Probleme mit dem Wasserstart hatte, der sollte nun noch einen Versuch wagen. Im Gegensatz zum Kitesurfen können viele Neulinge beim Snowkiten oft am ersten Tag in beide Richtungen fahren.

Ski oder Snowboard?
Glücklicherweise sind die Lager zwischen Skifahrern und Snowboardern am Drachen nicht so stark gespalten, wie es auf der Piste der Fall ist. Generell ist Snowkiten mit Ski einfacher, da man einen festeren Stand hat, beide Beine unabhängig voneinander bewegen kann und zur Not im Skatingschritt auch ohne Drachenantrieb vorankommt. Gerade bei schlechteren Bedingungen hat man mit Ski einen Vorteil. Bei wenig Wind kann man beispielsweise mit ein paar Schritten beschleunigen und hat somit schon ein wenig Fahrtwind. Es ist natürlich auch einfacher als beim Snowboard, in die Bindungen zu kommen.

Wer springen möchte, wird mit Ski die Kanten meist besser setzen können. Für Tiefschneefreunde sei gesagt, dass die Kombination Snowboard plus Pulverschnee nach wie vor eins der schönsten Fahrgefühle ist, die man haben kann. Klar funktioniert das auch mit Ski und macht auch Spaß, aber zumindest unserer Ansicht nach sehen wir hier einen leichten Vorteil beim Snowboard. Auch bei Tricks werden sich die Freestyler mit einem Snowboard leichter tun, schließlich muss man mit Ski immer 90 Grad anders landen, als man es vom Kiten gewohnt ist. Man muss sich lediglich auf den neuen Absprung einstellen und kann vieles eins zu eins auf den Schnee übertragen. Da die meisten Trickser aus diesen Gründen zum Snowboard greifen und diese Umstellung scheuen, ist die Zahl der wirklich guten Ski-Freestyler sehr gering. Dabei lassen sich sogar komplizierte Tricks wie KGB auf die Latten übertragen.

Risiko
Noch extremer als beim Kitesurfen kann beim Snowkiten das Risiko variieren. Je nachdem, auf welchem Untergrund man unterwegs is und was man macht, gibt es eine weite Bandbreite von extrem sicher bis hin zu scheißgefährlich. Beim einfachen, vorsichtigen Fahren ist das Grundrisiko nochmals merklich kleiner als beim Kitesurfen, sofern man einen Helm trägt. Beim Springen hat man hingegen auf harten Untergründen mehr Risiko als auf Wasser, während tiefer Pulverschnee wieder eine sehr weiche Unterlage ist. Wagt man sich ins Gelände, kommen mitunter alpine Risiken wie Lawinen und Ähnliches hinzu. Nicht zu vergessen das Hängefl iegen, wobei wir unsere Meinung dazu in unserem Bericht „Insider/Don´t do this at home“ äußern.

Spots
Snowkiten kann man nahezu überall, wo Schnee liegt und Wind weht. Etwas überspitzt formuliert war der ganze Norden Deutschlands letztes Jahr für längere Zeit ein traumhafter, riesiger Spot. Natürlich bieten aber die südlicheren Gebiete Deutschlands sowie die Mittelgebirge und die Gebirgsseen der Alpen eine deutlich bessere Schneesicherheit. Bekannte und häufi g besuchte Spots sind die Wasserkuppe in Hessen, der Feldberg im Schwarzwald sowie der Silvaplana oder der Reschensee. Als wahre Snowkite-Eldorados gelten beispielsweise die Hardangervidda in Norwegen oder der Col du Lautaret in Frankreich, um nur zwei Gebiete herauszugreifen. Doch gerade beim Snowkiten sind noch viele schöne Spots unentdeckt. Man muss nur die Augen offen halten und sich mit dem einen oder anderen Bauern einig werden.

Potenzial
Das Potenzial des Snowkitesports ist hierzulande gewaltig. Es ist einfach, spektakulär und macht Spaß. Einzige Hindernisse für den Sport sind Platz-, Schnee- und/oder Windmangel. Snowkiten lässt sich für einen geübten Snowboarder oder Skifahrer innerhalb eines Tages lernen. Auch für Kinder oder besonders ängstliche Menschen, die sich sonst nicht an den Kitesport heranwagen würden, ist Schnee der perfekte Einstieg. Doch lässt sich noch weit mehr mit einem Snowkite anstellen. Wir berichteten bereits über eine Expedition auf dem Baikalsee (siehe Ausgabe 10, auch im Web unter www.kitelife.de/downloads) und waren auf dem Ätna Snowkiten (Ausgabe 12). Auch Arved Fuchs und Reinhold Messner griffen für ihre Arktistouren auf drachenähnliche Konstrukte zurück.

Wettkampfszene
Snowkite-Freestyle ist deutlich jünger und auch weltweit lange nicht so groß, wie es beim Kitesurfen der Fall ist. Lediglich Race ist eine seit Langem existierende Disziplin mit vielen teils sehr engagierten Teilnehmern. Rennen wurden schon gefahren, als der Sport noch Kitesailing hieß und nicht Snowkiten. Beim Freestyle ist die Weltelite auf nur sehr wenige Fahrer beschränkt, die den Rest der Teilnehmer nahezu deklassieren. Bei den Skifahrern ist Björn Kaupang der größte Name, bei den Snowboardern dominiert meist Remi Meum das Geschehen. Wer einmal auf einem deutschen Snowkitecontest war, wird sehen, wie sehr das Ganze noch im Wachsen ist. Vor zwei Jahren gab es unter den Snowboardern für die deutsche Meisterschaft gerade einmal das Finale, während Sebastian Bubmann kampfl os die Freestyle-Skiwertung gewann.

DER EINSTIEG
Revierwahl
Wie bei allem, was mit Kiten zu tun hat, empfehlen wir dir, dich von unten heranzutasten. Suche dir eine Ebene mit viel Platz und ohne störende Hindernisse in Luv oder Lee. Ideal für den Anfang sind große Felder, Hochebenen oder zugefrorene Kitesurfspots. Natürlich ist eine dicke Eisschicht auf Seen Pfl icht, denn Einbrechen (das können wir aus eigener Erfahrung sagen) ist sehr unangenehm.

Kitegröße
Es kursiert oft das Gerücht, dass man beim Snowkiten kleinere Kites nimmt als auf dem Wasser. Das stimmt jedoch nur bedingt. Auf hartem Untergrund wie festgefahrenem Schnee braucht man tatsächlich nur minimalen Druck. Mit ein bis zwei Skatingschritten mit Ski kann man dann noch das letzte Quäntchen Fahrtwind erzeugen. In tiefem oder schwerem Schnee nutzt man hingegen oft fast dieselbe Schirmgröße, wie man sie auch auf dem Wasser fahren würde. Nur im überpowerten Bereich fühlt man sich dann auf dem Wasser wieder wohler als auf Schnee.

Kite sichern
Es funktioniert recht gut, den Kite mit Schnee zu sichern – genauso, wie man es sonst mit Sand tut. Man sollte aber entsprechend mehr nehmen als sonst. Einen Sandsack oder ein vergleichbar geeignetes Gewicht im Gepäck zu haben, schadet jedenfalls nicht. Sehr gut funktionieren oft auch spiralförmige Bodenanker zum Eindrehen, wie man sie in Drachenläden bekommt. Wenn man den Schirm normal auf die Fronttube legt und dann die fünfte Leine oder den Anknüpfpunkt für die Fronttube mit dem Haken verbindet, kann sich der Schirm zudem nach dem Wind ausrichten. Man sollte die Leinen jedoch immer aufwickeln, damit niemand anderes über die Leinen fährt und sie eventuell mit seinen scharfen Stahlkanten beschädigt.

Kite starten und landen
Hier scheiden sich etwas die Geister, doch wir fi nden es praktischer, erst Ski oder Snowboard anzuziehen und dann den Schirm von einem Helfer starten zu lassen, insbesondere wenn dieser gut instruiert ist. Bei Ram-Air-Kites funktionieren die gängigen Startmethoden wie auf dem Wasser. Beim Landen ist es immer angenehmer, einen Helfer zu haben. Zur Not kann man bei vielen Kites auch den Kite in die Safety übergeben und diese am eingegrabenen Ski oder Snowboard befestigen und schnell zum Kite laufen. Jedoch gilt das nur für sicher auswehende Kites, die an der Safety nicht rumzicken, sowie moderate (!) Winde.

Anfahren
Das Anfahren als solches stellt ein deutlich geringeres Problem dar als auf dem Wasser. Schließlich sinkt man im Schnee nicht ein. Mit Snowboard kann man also einen vorsichtigen Start machen, wie man es vom Kitesurfen kennt. Man kann sich auch erst mit Drachenhilfe hinstellen und dann losfahren. Je nach Situation reicht dazu dann eine mehr oder weniger ausgeprägte Sinuskurve oder auch bloßes Anpowern. Mit Ski ist dies durch den breiteren Stand nochmals einfacher.

Stürze
Eine wichtige Regel: Strecke nie deine Arme nach hinten aus, wenn es dich ledert, denn das kann einem schön die Schulter auskugeln. Im Prinzip gelten die Regeln der normalen Fallschule bei Kampfsportarten.

Höhelaufen
Du hast auf dem Wasser Probleme mit Höhelaufen? Im Schnee wird dir dies vermutlich nicht so gehen. Fahre eher langsam, wenn du maximal gegen den Wind kreuzen willst, und versuche einen schönen Winkel zum Kite zu fahren. Höhelaufen beim Snowkiten ist easy.


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