Testberichte

Slingshot RPM


Mit dem RPM ist Slingshot 2009 unumstritten ein großer Wurf gelungen. Die Einführung des sogenannten Open-C-Shapes setzte einen Meilenstein in der Geschichte des Kitedesigns. Er erinnert optisch stark an die klassischen C-Kites, eben nur mit dem feinen Unterschied, dass die Tips deutlich kürzer, die Wölbung des Kites also nicht ganz so tief ist. Entscheidender Vorteil gegenüber den C-Kites sind die in Verbindung mit einer Waage bedeutend besseren Depowereigenschaften dieses Konzepts, ohne dabei jedoch die sportlichen Eigenschaften eines C-Kites einbüßen zu müssen.

Der RPM war somit der Begründer einer neuen Ära und gilt bis heute als Maßstab in diesem Segment. In enger Zusammenarbeit mit Youri Zoon, der 2011 Weltmeister im Freestyle geworden ist, entwickelte Slingshot den 2012er-RPM. Um den hohen Anforderungen des Profikiters zu entsprechen, wird von Jahr zu Jahr mehr Wert auf die Steigerung von Aggressivität, Pop und Sportlichkeit gelegt. Mit dem 2012er-Modell haben wir die nunmehr vierte Generation am Haken gehabt und überprüft, ob Slingshot seinem Motto „Don’t touch a running system“ treu geblieben ist.

Äußerlich hat sich am RPM zum Vorjahr bis auf das Design nicht viel geändert. Auch am Himmel scheint er beim ersten Eindruck keine großen Veränderungen erfahren zu haben. Bereits im unteren Windbereich kommt der RPM durch Sinuskurven schnell in Fahrt und zieht willig nach Luv. Im oberen Windbereich zeigt er sich relativ gutmütig. Durch die effektive Depower kann ihm die Zugkraft leicht genommen werden, was die Kontrolle simpel gestaltet. Da ihm wie seinem Mitstreiter, dem Fuel, im letzten Jahr Splitstruts spendiert wurden (die Querstruts sind seitlich im Tuch vernäht und nicht unterhalb angenäht – siehe Bild unten), steht der Schirm deutlich stabiler am Himmel. Besonders in böigen Bedingungen kommt diese Veränderung zum Tragen.

Auch beim Springen zeigen sich die Vorteile der Splitstruts. Die konstant gut angeströmte Kappe reagiert unmittelbar auf Lenkbefehle und ermöglicht durch eine gute Rückmeldung sehr einfache Absprünge. Wer im unteren bis mittleren Windbereich auf hohe, lange Flugeinlagen hofft, wird beim RPM nicht unbedingt fündig werden. Erst im oberen Windbereich wird die Leistung ansehnlich. Diese Einschränkung mag den Vorlieben seines Mitentwicklers Youri Zoon geschuldet sein, der in Wettkämpfen weniger durch Board-offs als durch ausgehakte, technisch anspruchsvolle Handlepass-Manöver punkten will.

Und genau in dieser Disziplin ist der RPM auch zu Hause. Die ausgesprochen guten Unhooked-Eigenschaften sind größtenteils dem tiefen Stand im Windfenster geschuldet. Beim Absprung reißt er den Fahrer förmlich aus dem Wasser, verliert dann aber schnell seine Zugkraft, um das Übergeben der Bar hinter dem Rücken zu vereinfachen. Auch in dieser Situation profitiert das Profil entscheidend von den Splitstruts.

In den Barkräften zeigt sich der wohl markanteste Unterschied zum Vorjahresmodell. Während sie zu Beginn noch im untersten Bereich lagen, wurden sie stetig angehoben und befinden sich mittlerweile im oberen Mittelfeld. Wer letztes Jahr also noch den zweiten Anknüpfpunkt am Tip gewählt hat, kann dieses Jahr getrost den äußersten wählen. Auf Lenkimpulse reagiert der RPM umgehend und liefert ein gutes Feedback über den Stand im Windfenster. Von Jahr zu Jahr wird Slingshots Vertreter mit den kurzen Tips sportlicher und erfüllt damit die Forderungen seiner Fans. Dennoch konnte auch der Komfortgedanke vorangetrieben werden. Nicht nur die effektive Depower zeigt sich dabei vorteilhaft, sondern auch der absolut einfache Wasserstart über die Steuerleine, der sogar im untersten Windbereich überraschend gut funktioniert.

Turns vollzieht der RPM in engen bis mittleren Radien, was seine hohe Agilität unterstreicht. Für mächtige Kiteloops darf man also gern etwas mittiger greifen, sollte dann aber auch auf eine enorme Kraftabgabe gefasst sein.

Fazit: Der Open-C-Pionier ist und bleibt in allen Belangen ein absolut harmonisch abgestimmter Kite, der sich in erster Linie an ambitionierte Kiter richtet, die ihr Fahrkönnen im Freestylebereich steigern wollen. Für ausgehakte Sprünge gehört er mittlerweile zweifelsfrei zur internationalen Spitzengruppe. Seine nochmals verbesserten Kiteloopeigenschaften und die gesteigerte Agilität stellen weitere Argumente dafür dar, den RPM stärker in die Freestyle- als in die Freeride-Ecke zu stellen. Diese angepeilte Fahrergruppe kommt 2012 in den Genuss von gesteigerter Power, aber ebenfalls von gehobenem Komfort. Und durch den stabilen Stand sowie die effektive Depower gibt der RPM sogar in der Welle ein gutes Bild ab. Alles richtig gemacht: Slingshot war extrem gut beraten, den RPM nur in kleinen Details zu verändern und ihm so sein gewohnt gutes Flugbild bei gleichzeitiger Steigerung einzelner Flugcharakteristika zu bewahren.

Weitere Informationen auf http://slingshotsports.de


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