Testberichte

Ozone Reo


In den letzten beiden Jahren hat fast jeder Hersteller versucht, einen Kite zu bauen, der in nahezu allen Einsatzgebieten maximale Performance liefert, einen echten Allrounder also. Den komplett entgegengesetzten Weg schlägt Ozone mit dem Newcomer Reo ein. Denn bei seiner Entwicklung ging es ausschließlich darum, einen Kite zu entwickeln, der optimal für den Einsatz in der Welle ausgelegt ist. Komplett eingleisig muss es deshalb aber auch nicht werden. Um den verschiedenen Vorlieben der Kiter bestmöglich gerecht zu werden, hat Ozone dem Reo deshalb unterschiedliche Trimmmöglichkeiten spendiert, die schnell und einfach nutzbar sind. Über die Veränderung der Anknüpfpunkte an den Tips können die Reaktion des Kites auf Steuerbefehle sowie die Barkräfte variiert werden.

An einen Kite, der vorrangig in der Welle zum Einsatz kommen soll, werden besonders in den Bereichen Stabilität und Agilität hohe Anforderungen gestellt. Die Stabilität allein ist aber noch nicht ausreichend, um den Ritt in der Welle mit möglichst drucklosem Kite genießen zu können. Dafür spielt auch die Kapazität der Depower eine große Rolle, die beim Reo wirklich gut ausfällt. Beim Auspacken fällt zunächst die gute Verarbeitung des Reo auf. Nicht nur die Vernähung der einzelnen Tuchbahnen ist sehr ordentlich ausgeführt, auch die großzügige Ausstattung mit zusätzlichen Verstärkungen in den potenziellen Stresszonen verleiht dem Newcomer bei Ozone einen hochwertigen Eindruck. Kleine Applikationen wie die mit Klett befestigte Neoprenkappe über dem Einlassventil runden das Gesamtbild ab. Durch das große Schlauchbootventil ist es ein Leichtes, die Schläuche des Reo zügig und mit geringem Kraftaufwand mit Luft zu befüllen. Allerdings wird ein Pumpenaufsatz mit Gewinde benötigt, der nicht im Lieferumfang des Kites enthalten, sondern nur auf der eigens von Ozone erhältlichen Pumpe verbaut ist.

Am Himmel zeigt sich der Reo schön agil, was auch enge Turns problemlos erlaubt. Hervor sticht außerdem die ausgedehnte Windrange. Bereits bei wenig Wind liegt die Strömung optimal am Kite an und führt zu effektivem Vortrieb. Die Depowereigenschaften sind stark ausgeprägt, wobei wir das für Freerider eher negativ bewertete On-/Off-Verhalten an der Bar beim Einsatz in der Welle als sehr ungenehm empfunden haben. Mit nur geringem Weg auf dem Bartampen lässt sich der Kite komplett drucklos stellen und ist mit einer ebenso kleinen Bewegung in die entgegengesetzte Richtung sofort wieder mit Zug zur Stelle. Ebenso wichtig wie die Depower ist die Stabilität des Kites am Himmel, da beim Abreiten einer Welle die Leinenspannung gelegentlich verloren geht. Der Reo neigt auch in diesen Situationen weder zum Frontstall noch zum Backstall und bleibt neutral am Himmel stehen. Selbst voll gedepowert reagiert er auf Lenkimpulse, was den Reo in allen Lagen zu einem agilen Sportgerät macht und den ohnehin großen Komfort unterstreicht. Der etwas tiefere Stand im Windfenster zeigt sich für die frühe Anströmung verantwortlich, reduziert aber auch den Komfort beim Höhelaufen. In Kombination mit einem früh gleitenden Waveboard kann dieser für Cruiser eher nachteilige Effekt aber leicht ausbalanciert werden. Der Reo ist eben ein konsequenter Wavekite, was auch bei den Sprungleistungen auffällt. Zwar reicht die Leistung, um problemlos eine Welle zu überspringen, für wirklich hohe und lange Flugphasen sollte man sich dann aber eher dem Catalyst oder dem C4 zuwenden.

Fazit: Ozone verfolgt mit dem Reo konsequent ein Ziel und das ist maximaler Fahrspaß für Wavekiter. Und genau diesen Kitern, nämlich den wellenbegeisterten, können wir den Kite empfehlen, da er in kleinen wie in großen Wogen mit ausgesprochen hoher Stabilität und großer Depower überzeugen kann. Zusammen mit den sehr engen Drehradien, der selbst in gedepowertem Zustand guten Agilität und dem absolut einfachen Wasserstart über eine Steuerleine kann der Reo in der Kategorie Wavekite deutlich punkten.


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