Testberichte

North Neo 2012


North Neo 2012

Mit dem ersten Neo hat North Kiteboarding zunächst hauptsächlich das Ziel verfolgt, einen kostengünstigen Freeridekite auf dem Markt zu etablieren. An der attraktiven Preisgestaltung hat sich daher auch 2012 nichts geändert. Als günstigster Kite von North liegt er sogar noch fast hundert Euro unter dem Evo.

Bei den Flugeigenschaften und der Verarbeitung haben für die aktuelle Saison allerdings einige Modifikationen stattgefunden. Weiterhin gelten für den Neo, wie für alle anderen North-Kites mit Ausnahme des Vegas, die Freerider als wichtigste Zielgruppe. Darüber hinaus wurde er aber darauf abgestimmt, in der Welle mit bestmöglicher Performance zu überzeugen. Deshalb setzen die Designer nun auf eine noch kompaktere Form mit relativ breiten Tips. Um aber trotzdem die nötige Stabilität in den Ohren gewährleisten zu können, wurden die äußersten Querstruts neu positioniert und beim verwendeten Material auf das gleiche widerstandsfähige Tuch vertraut wie bei den höherpreisigen Modellen. Das sogenannte Technoforce-D2-Material gilt als äußerst dehnungsarm und robust, was bei Waschgängen in der Welle ein entscheidender Faktor ist. Neben einem One-Pump-System steht dem Fahrer auch die Auswahl des Leinen-Set-ups zur Verfügung, denn der Neo kann sowohl mit vier als auch mit fünf Leinen geflogen werden. Die benötigte Noseline für das Fünfleiner-Set-up ist bereits montiert und versteckt sich in einer kleinen Tasche mittig auf der Fronttube.

Im untersten Windbereich muss der Neo bewegt werden, damit er konstanten Vortrieb liefert. Die enorme Agilität macht diesen Vorgang sehr einfach und auch Höhelaufen ist daher bei Leichtwind kein Problem. Ab dem mittleren Windbereich stellt der Kite sein gesamtes Leistungsspektrum zur Verfügung, während die lineare Depower auch in Böen den hohen Fahrkomfort sicherstellt. Im obersten Windbereich muss dann die Boardkante zu Hilfe genommen werden, um den Schirm komplett auszubremsen.

Perfekt passend zu seinem anvisierten Einsatzbereich lässt sich der Neo äußerst einfach und gut kontrollierbar zum Absprung führen, was sich als Plus für Fahrer jeder Könnensstufe erweist. Jederzeit liefert er ein gutes Feedback über den Stand im Windfenster, wodurch die Kontrolle extrem leicht fällt. Ab dem oberen Windbereich steht dann ein ansehnlicher Lift zur Verfügung, wobei die Hangtime auch bei stärkerem Wind nur im Mittelfeld angesiedelt ist. Im unteren und mittleren Windbereich ist die Sprungleistung eher mäßig. Bei ausgehakten Sprüngen kommt die kompaktere Form zum Tragen. Im Gegensatz zum Vorgänger positioniert er sich tiefer im Windfenster und stellt guten Zug zur Verfügung.

Sogar der Zugkraftabbau findet so effektiv statt, dass er bei Unhooked-Tricks schon fast an die Charaktereigenschaften des Vegas erinnert. Die Barkräfte gestalten sich beim Neo wie für North typisch: Während nur ein geringer Kraftaufwand benötigt wird, um die Bar auf dem Druckpunkt zu halten, liegen die Steuerkräfte im Mittelfeld. Unmittelbar werden Lenkimpulse umgesetzt, was in Verbindung mit der hohen Fluggeschwindigkeit einen spritzigen Charakter ergibt. Ob schnelle Turns oder Loops, der Neo gehört zu den Sprintern beim Drehverhalten und lässt sich problemlos in engen Radien fliegen.

Besonders beim Einsatz in der Welle erweisen sich diese Eigenschaften als Vorteil. Egal ob radikale Cutbacks oder schnelle Bottom Turns, das Drehverhalten dieses Kites wird jeden Wavefan begeistern. Selbst in voll gedepowertem Zustand spricht der Schirm noch verhältnismäßig gut auf Steuerbefehle an und schwebt beim Abreiten der Welle voll gedepowert bereitwillig neben seinem Fahrer her. Bei inkonstantem Wind überzeugt der günstigste North-Kite mit einem auffallend stabilen Stand. Auch wenn die Depower nicht zu vollständigem Ausflattern führt, reicht das zur Verfügung stehende Spektrum so gut aus, dass der Fahrer niemals ein ruckartiges Zerren von der Brettkante befürchten muss. Die Kraftentfaltung verhält sich in keinem Moment progressiv, was den Schirm auch für Einsteiger attraktiv macht. Ebenso komfortabel fällt das Wasserstartverhalten aus. Denn egal auf welcher Position im Windfenster der Kite runterkommt, er wandert sofort an den Windfensterrand und wartet dort auf dem Tip stehend, um erneut gestartet zu werden. Auch dieser Aspekt kann beim Einsatz in der Welle mehr als spaßentscheidend sein.

Fazit: Trotz eines geringeren Preises kann der Neo bei der Attraktivität seiner Flugeigenschaften problemlos mit seinen Geschwistern mithalten. Während reine Cruiser aufgrund des größeren Windbereichs und der besseren Hangtime mit dem Rebel besser beraten sind, werden sportliche Freerider die Vorzüge des Neo zu schätzen wissen. Denn sowohl in der Welle als auch bei Newschooltricks überzeugt er mit ausgeprägter Agilität, einem stabilen Stand und einem sehr harmonisch abgestimmten Zugverhalten.

North Neo


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