Testberichte

Liquid Force Nirvana


Das Erwecken eines häufig schon tot geglaubten Konzepts hat sich Liquid Force für die Saison 2012 auf die Fahnen geschrieben. Mit einer kompletten Neuauflage des C-Kites HiFi Comp wollen die Kalifornier progressive Freestylekiter spezifischer und besser bedienen als je zuvor. Angelehnt an die Lehre des Buddhismus hört der Neue auf den Namen Nirvana. Und dass die Entwickler rund um den Designer Julien Fillion ein ausgeschlafenes Team sind, beweisen sie mit einer großen Zahl von Neuerungen. So baut der Nirvana wieder auf ein Strutgerüst mit fünf Querstruts und nicht wie sein Vorgänger auf vier, was eine zusätzliche Stabilisierung der Kappe bringt. Außerdem wurde an der Vielseitigkeit des Kites gearbeitet. Der Nirvana bietet diverse Varianten der Anbringung für die Front- und Steuerleinen, was das Flugverhalten beeinflusst und eine stärkere Ausrichtung auf individuelle Bedürfnisse ermöglicht. Wer jetzt allerdings einen Spagat zwischen Freestyle und Freeride vermutet, sollte sich von diesem Gedanken schnell verabschieden. Denn durch den enormen Erfolg des sportiven Freeriders Envy wurde der Nirvana noch stärker auf Newschool und Wakestyle getrimmt als der HiFi Comp.

Der Windbereich fällt verglichen mit dem des Vorgängers leicht reduziert aus, ganz C-Kite eben. Bei Leichtwind muss der Nirvana deshalb intensiv bewegt werden, was ein gutes Gefühl für den Kite erfordert. Im oberen Windbereich kann er hingegen sehr lange und unproblematisch geflogen werden. Die für diese Kitegruppe einzigartig ausgeprägte Depower lässt den Nirvana fast vollständig ausflattern. Am Himmel überzeugt der Kite durch enorme Stabilität. Wie angenagelt steht er im Windfenster und lässt sich auch von Böen nicht aus der Ruhe bringen. Dafür sorgt das neue Strutgerüst, aber auch die mit einer zusätzlichen Latte ausgestatteten Tips. Der Stand im Windfenster ist wakestyletypisch etwas tiefer, weshalb für effektives Höhelaufen die Boardkante zum Einsatz kommen muss.

Ein enormer Fortschritt wurde beim Barfeeling erreicht. Zeigte sich der Vorgänger eher wacklig an der Bar, ist beim Nirvana alles schön definiert und der Druckpunkt bombenfest. Die mittleren Steuerkräfte und die geringen bis mittleren Haltekräfte sind so komfortabel, dass man gelegentlich schon fast erschrickt, wie viel Leistung der Kite bereithält. Wird der Kite im Wakestyle-Set-up geflogen (innen liegende Anknüpfpunkte), zeigt er sich direkt, aber setzt Steuerbefehle mit eher gemächlichen Bewegungen um. Perfekt geeignet für Handlepass-Manöver, bei denen der Kite auch durch Lenkfehler irritiert seinen Stand halten soll. Leistung steht im ausgehakten Zustand eine satte Portion zur Verfügung. Dabei wird die möglichst getreue Orientierung am klassischen C-Kite-Fluggefühl forciert. Der Kite öffnet nach explosivem Kraftaufbau leicht, was eine Zugreduzierung zur Landung ermöglicht. Im Freeride-Setting gewinnt der Nirvana zwar leicht an Agilität, lässt aber trotzdem keine Vermutungen aufkommen, dass er hier Kompromisse bei seiner Ausrichtung eingehen wollte.

Die mittleren Flugradien sorgen für massive Horizontalbeschleunigung im Kiteloop und sind nichts für Sprungnovizen. Ein schlüssiges Gesamtkonzept, das fortgeschrittene Freestyler zweifellos begeistern wird, denn der Nirvana vereint klassische Freestyle-Spezifikationen mit modernem Depower-Komfort und sogar einem Wasserstart über den Zug an einer Steuerleine (ab mittlerem Windbereich).

Für Hangtime-Fans empfiehlt sich ganz klar die Orientierung zu Havoc oder Envy, denn diesen Bereich bedient der Nirvana zwar ausreichend, wird bei Oldschool-Manövern aber keine Freudenschreie auslösen.

Fazit: Liquid Force bringt mit dem Nirvana einen konsequenten Freestyler. Wer einen optimalen Kite für Newschool und Wakestyle sucht, aber trotzdem nicht auf ein Mindestmaß an Komfort verzichten möchte, sollte diesen Kite in die engere Auswahl nehmen. Verglichen mit seinem Vorgänger büßt der Nirvana zwar etwas Vielseitigkeit ein, legt dafür aber doppelt bei den zielgruppenspezifischen Anforderungen nach. Freestyler kommen jetzt außerdem in den Genuss zahlreicher Flugmodi. Ein gelungenes Erwachen eines echten C-Kites, der in seiner Sparte zu den besten auf dem Markt gehört.


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