Testberichte

Gaastra Jekyll


Gaastra Kiteboarding feiert in der Saison 2012 zehnjähriges Bestehen und gehört damit zu den erfahrensten Kiteherstellern weltweit. Als ebenso erfahren und entsprechend ausdifferenziert gilt das kraftvolle Zugpferd der Kitepalette, der Gaastra Jekyll. Er geht in diesem Jahr in seine fünfte Saison und ist damit ein echtes Traditionsmodell. Der Erfolg in den vergangenen Jahren hat das Entwicklerteam um Kitedesigner Urs Hungerbühler bewogen, das etablierte Charakterbild des Kites nur in Nuancen zu verändern und damit Feintrimm auf oberster Performance-Ebene zu betreiben.

Durch die Ergänzung des Kiteangebots um den Freerider Hatch war es möglich, den Fokus beim Jekyll noch stärker auf Leistung zu legen, ohne die Eignung für Einsteiger weiterhin intensiv berücksichtigen zu müssen. Im Mittelpunkt der Überarbeitung stand die Optimierung des Profils, das in den Größen zwölf und 14 Quadratmeter tiefer geworden ist und dem Jekyll ein noch besseres Lowend verleihen soll. Hand legten die Entwickler außerdem an der Fronttube an. Sie wurde für eine gesteigerte Aerodynamik verfeinert, was zu einer besseren Anströmung des Kites und damit zu einem konstanteren und komfortableren Bargefühl führt.

Auch die Bar kommt in völlig neuem Antlitz daher. Farblich in Schwarz und Weiß unterteilt, ging es den Tüftlern offensichtlich nicht nur darum, einen attraktiven Blickfang zu schaffen, sondern vielmehr den Sicherheitsgedanken massiv zu steigern. Entsprechend dieser Marschrichtung wird auch der neue, komplett in leuchtendem Blau gehaltene Auslösemechanismus mit Stolz präsentiert.

Er garantiert über eine Magnetverbindung hohe Verlässlichkeit und überzeugt zudem mit Übersichtlichkeit und einfacher Remontage. Um dem vielseitigen Anforderungsprofil seiner Fans gerecht zu werden, sind für die Anbringung der Steuerleinen gleich drei Optionen verfügbar und die Leinenlänge kann mit wenigen Handgriffen zwischen 21 und 24 Meter variiert werden. Wie stark sich diese Modifikationen nun auf die Spezialisierung oder eben auf die Vielseitigkeit des Jekylls auswirken, haben wir herausgefunden. Wie bereits in der letzten Saison fordert der Jekyll einen aktiven Fahrer. Er ist auf Bewegung angewiesen, um im unteren Windbereich durchgehend Vortrieb zu liefern. Wer den Jekyll bei Leichtwind einfach nur gestellt fliegt, wird mit mangelnder Power zu rechnen haben. Ab dem mittleren Windbereich steht das komplette Leistungsrepertoire zur Verfügung.

Auch gestellt geflogen zieht er dann kraftvoll weit an den Windfensterrand und macht Höhelaufen zum Kinderspiel. Bei Starkwind trumpft der Jekyll mit effektiver Depower auf, weshalb wir ihm in Verbindung mit den Trimmvarianten der Steuerleinen einen ordentlichen Windbereich bescheinigen können. Ebenfalls ab dem mittleren Windbereich sind die guten Sprungleistungen abrufbar, die im oberen Windbereich, besonders im Hinblick auf den Lift, nochmals ansteigen. Dieser setzt soft, aber durchaus leistungsstark ein und trägt in gute Höhen. Durch die kontrollierbare Kraftabgabe und die stets gute Spürbarkeit des Kites ist das gesamte Sprungpotenzial auch schon für Einsteiger äußerst simpel erlebbar. Wobei die Hangtime nicht ganz so ausgeprägt ist wie der Lift. Gut angeblasen lässt sich dem Jekyll eine mittlere Hangtime entlocken.

Beim Freestyle beweist der Kite beeindruckend sein breites Einsatzspektrum. Denn entgegen der direkten Konkurrenten in diesem Test zeigt er sich auch bei ausgehakten Tricks von seiner besten Seite. Er positioniert sich nach dem Aushaken direkt tief im Windfenster und stellt einen guten Pop zur Verfügung. Die Kontrollierbarkeit auch bei Handlepass-Manövern und der Zugkraftabbau sind für einen High-Performance-Freerider optimal ausgeprägt. Geringe bis mittlere Haltekräfte ermöglichen ein schön definiertes Druckpunkthandling und steigen mit zunehmendem Wind etwas an. Die Steuerkräfte liegen durchgehend im Mittelfeld. Insgesamt führen das ausgewogene Leistungsmanagement und die überwiegend gemäßigte Kraftabgabe dazu, dass der Fahrer nie überrascht oder gar überfordert wird. Ebenso komfortabel verhält sich der Jekyll auch in ruppigen Bedingungen. Böen werden sehr gut gedämpft und das Zusammenspiel aus Depower und direktem Steuerverhalten ergibt ein sehr harmonisches Gesamtbild. Nach Auslösung des Sicherheitssystems sinkt der Kite sofort drucklos auf die Wasseroberfläche und lässt sich nach einfachem Zusammenbau des Auslösemechanismus durch Zug an einer Steuerleine umgehend wieder starten. Intensiv eingelenkt dreht der Jekyll in mittleren Radien bei ebenfalls mittlerer Fluggeschwindigkeit schön rund. Durch die Auslegung des Systems auf stets leicht vorhandene Spannung auf den Steuerleinen kommen Steuerimpulse unmittelbar am Kite an, der mit hoher Reaktivität absolut direkt die Befehle umsetzt

Fazit: Der nunmehr fünfte Jekyll präsentiert sich als sportlicher Freerider, der sogar im Freestyle Qualitäten besitzt. Mit etwas Fahrkönnen einfach kontrollierbar, stellt er seine umfangreichen Einsatzmöglichkeiten einer breiten Zielgruppe zur Verfügung. Anders als klassische High-Performance-Freerider besitzt er nicht nur eine Paradedisziplin, die ihn glänzen lässt, sondern vielmehr einen versatilen Charakter, der dem geneigten Käufer nahezu das gesamte Spektrum der Disziplinen des Kitesurfens eröffnet. Das macht ihn nicht nur zum vielseitigsten Testkandidaten in dieser Ausgabe, sondern auch zu einem absolut empfehlenswerten Schirm für Kiter, die sich nicht ausschließlich einer Spielart dieses Sports verschreiben wollen.


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